Gegenöffentlichkeit 2.0

Soziale Bewegungen erleben in der gegenwärtigen Phase einen Aufschwung, getragen von breiter Unzufriedenheit mit herrschenden Verhältnissen und sich abzeichnenden großen Umbrüchen. Das Netz, das World Wide Web, das selbst seit einem halben Jahrzehnt in eine dynamischere und interaktivere Phase eingetreten ist, in eine “Web 2.0″ und “Social Media”-Phase, ist zu einem nahe liegenden bis selbstverständlichen Werkzeug für Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und kollektives Wissensmanagement geworden.
Gerade für heterogene, neu entstehende und bewegliche Organisationsformen, wie die der Sozialen Bewegungen, ist das Web und bietet das Web die überall erreichbaren, funktionalen und billigen Werkzeuge, die im Moment gebraucht werden.

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Jenseits von Mainstream und Nische

Die eigenen Ideen so zuspitzen, dass sie in den Mainstream-Diskurs passen oder aber in kleinen Zirkeln von Gleichgesinnten unter sich bleiben? Diese schlechte Alternative gehört der Vergangenheit an. Soziale Netzwerke und Blogs ermöglichen Diskussionen und Reichweiten, die die überkommenen Zugangsbeschränkungen zur “öffentlichen Meinung” unterwandern. Es kommt aber darauf an, sie auch zu nutzen.

Die diskursiven Orte “Nische” und “Mainstream” sind im Internet natürlich nicht einfach so aufgehoben. Auch hier reproduzieren sich konventionelle Hierarchien: Dass ein feministischer Text im Internet steht, bedeutet ja noch nicht, dass er auch gelesen wird – oder zumindest nicht von vielen. Auch im Netz haben Mainstream-Medien höhere Zugriffszahlen und wird der Brigitte-Blog öfter angeklickt als der eines unabhängigen feministischen Forums.

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Die Kraft der Vielen koordinieren lernen!

Für «Nichtregierungsorganisationen» (NGOs) können Netzwerk-Kampagnen die Kampagnenform der Zukunft werden. Die Verbreitung von sozialen Medien macht wirkungsvolle Kommunikations-Tools verfügbar und bringt ein aktives Selbstverständnis potentieller Aktivist_innen. Zivilgesellschaftlichen Initiativen und NGOs müssen aber noch viel lernen, wenn sie die Reichweite sozialer Bewegungen und die Steuerbarkeit von klassischen Kampagnen in Netzwerk-Kampagnen kombinieren wollen. Wo genau noch Handlungsbedarf besteht, beobachtete ich als Sprecher von SOS Mitmensch, einer “pressure group”, für die ich Kampagnen zur Durchsetzung der Menschenrechte gemacht habe. Fünf Punkte greife ich hier heraus.

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Visionen einer Gewerkschaft 2.0

Gewerkschaften und “Web 2.0″, das scheint keine große Geschichte und kaum ein Thema zu sein. Gewerkschaften und “Social Media”, da verhält es sich ähnlich: keine große Geschichte, nichts allzu Bemerkenswertes. Da gibt es zuerst einmal die Webauftritte der diversen Gewerkschaften, die punkto Web 2.0 hinterher hinken, aber daran wird gearbeitet. Außerdem gesellen sich zu den großen Homepages zunehmend die flexibleren themen- oder zielgruppenspezifischen Webauftritte, die mit wachsender Erfahrung auch interaktiver, partizipativer und offener werden.

Was die Social Media betrifft, da sind Gewerkschaften mittlerweile selbstverständlich auf Facebook präsent, es gibt Blogs und YouTube-Kanäle. Die Plattformen werden heute nicht mehr von einzelnen, zentralistischen Auftritten dominiert, sondern auch von mehreren, diversen Unterorganisationen mit eigenen Seiten, Konten und Kanälen bevölkert; regionale Gruppen hier, lokale Branchenverbände da, dort eine Jugendgruppe, hier ein thematisches Netzwerk etwa zu Zeitarbeit, dort eine Seite eigens für einen Kongress, der sich beispielsweise dem Organizing widmet. Etwas flapsig zusammengefasst: ja, da tut sich etwas, aber alles in allem keine große Geschichte. Wir lesen eben nicht in auflagenstarken klassischen Medien, dass Gewerkschaften und Web 2.0 oder Social Media eine “Erfolgsstory” wären, so wie wir das sehr wohl lesen, wenn es um Obama und Social Media geht, um neue Protestbewegungen und Social Media, manche Unternehmen und Web 2.0 oder auch: NGO und Social Media – und Ausnahmen bestätigen hier erst recht die Regel.

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